Selfpublishing oder Verlag: So findest du den besten Veröffentlichungsweg für dein Kinderbuch
Selfpublishing oder Verlag: So findest du den besten Veröffentlichungsweg für dein Kinderbuch

Selfpublishing oder Verlag: So findest du den besten Veröffentlichungsweg für dein Kinderbuch

Wer Kinderbücher schreibt, tut das normalerweise mit viel Liebe und Sorgfalt und möchte sein Werk dementsprechend auch so bald wie möglich in die Hände kleiner Leser*innen legen. Heute gibt es dafür zwei Möglichkeiten: den klassischen Weg über einen renommierten Kinderbuchverlag und den Eigenverlag, auch „Selfpublishing“ genannt. Dieser Blogpost vergleicht beide Varianten und zeigt ihre Vor- und Nachteile auf, damit dir die Entscheidung leichter fällt und auch dein Kinderbuch schon bald viele Bücherregale schmücken kann!

Kinderbuch im Selfpublishing oder Verlag veröffentlichen: Das bringen beide Varianten mit sich

Für viele Autor*innen kommt auch heute erst einmal nur der klassische Weg über einen Kinderbuchverlag in Frage. Verständlich, so ein schickes „Carlsen“-Logo auf dem eigenen Kinderbuch, sieht schließlich einfach gut aus. Allerdings gibt es auch immer mehr Autor*innen, die bewusst den Weg übers Selfpublishing wählen, z. B. aus finanziellen oder Gründen der Entscheidungsfreiheit. Damit du für dich den richtigen Veröffentlichungsweg findest, solltest du folgende Aspekte berücksichtigen:

1. Der schnellere Weg

Der Weg zum klassischen Kinderbuchverlag ist lang, holprig und manchmal scheint er gar unmöglich. Der schnellste Weg führt dabei meist nicht zum Verlag selbst, sondern über eine Agentur für Kinderbuchautor*innen. Auch dort sind die Aufnahmekriterien jedoch relativ strikt. Wagst du es trotzdem und findest eine gute Agentur, sucht diese nach einem passenden Verlag für dein Kinderbuch. Ist dieser dann gefunden und der Verlagsvertrag in der Tasche, muss natürlich erst lektoriert, illustriert (es sei denn, du hast dein Werk selbst illustriert), designt und gedruckt werden. Da können zwischen dem Schreiben und Veröffentlichen schon einmal kleine Ewigkeiten liegen …

Beim Selfpublishing hingegen musst du keine Überzeugungsarbeit leisten, damit dein Buch in den Druck geht. Du veröffentlichst genau dann, wenn du bereit dazu bist. Zwar durchläufst du als Selfpublisherin all die genannten Schritte (Design, Druck …) auch. Allerdings kannst du hier dein eigenes Tempo vorgeben. Du musst nicht erst warten, bis der Titel ins Programm passt. Du machst ja das Programm! Allerdings solltest du den Aufwand eines vollumfänglichen Eigenverlags auch nicht unterschätzen: Wenn du dich selbst um alles kümmern musst, kann das natürlich ebenfalls viel Zeit in Anspruch nehmen. Die zweiffellos schnellste Variante der Kinderbuchveröffentlichung führt über Print-on-Demand. Hier lädst du dein formatiertes Buch beim Anbieter deiner Wahl hoch und es wird erst gedruckt, wenn jemand kauft.

2. Der einfachere Weg

Wenn du in einem großen Verlag veröffentlichen möchtest, ist der erste Schritt auf jeden Fall schwieriger als beim Selfpublishing. Du musst immerhin zunächst ein Verlagshaus finden, das bereit ist, dein Kinderbuch zu veröffentlichen. Von da an jedoch macht dir der Verlag vieles einfacher: Coverdesign, Satz und Illustrationen werden dir abgenommen, auch beim Marketing bekommst du zumindest etwas Unterstützung und der Weg in die Buchläden ist dir sicher.

Selfpublishing bedeutet deutlich mehr Arbeit. Alle Verlagsaufgaben liegen dann bei dir. Entweder du nimmst Design, Illustrationen und Versand deiner Bücher selbst vor oder du beauftragst erfahrene Dienstleister damit. So oder so: Die Abwicklung dieser ganzen Steps liegt bei dir. Es erfordert einiges an Knowhow, ein gutes Buch zu schreiben. Und noch mehr, es erfolgreich zu verlegen. Print-on-Demand-Anbieter bieten hier wieder einen guten Mittelweg: Du übernimmst Lektorat, Illustrationen und Design – der Print-on-Demand-Anbieter deiner Wahl druckt und verkauft dein Buch.

Achtung! Print-on-Demand funktioniert nicht für jedes Kinderbuch. Hochwertige Bilderbücher sollten immer in einer „echten“ Auflage produziert werden. Mehr dazu erfährst du im Artikel „Kinderbuch ’selber machen'“.

3. Selfpublishing oder Verlag – das bessere Marketing

Ein Publikumsverlag hat natürlich mehr Geld und Ressourcen, um ordentlich die Werbetrommel für dein Kinderbuch zu rühren. Außerdem ebnet er dir den Weg in den Buchhandel, was bei Kinderbüchern noch viel wichtiger als bei Erwachsenenbüchern ist. (Die meisten Kinderbücher werden von Erwachsenen als Geschenke für Kinder gekauft. Das Stöbern im Buchladen ist also immer noch eine der wichtigsten Verkaufsquellen auf dem Buchmarkt.) Sprich: Mit einem großen Verlag erhöht sich deine Bekanntheit als Kinderbuchautor*in enorm.

Andererseits ist es eine Illusion, zu glauben, ein Verlag sei Werbung genug. Auch bekannte Verlagsautor*innen müssen selbst Werbung für ihre Werke machen. Das wird vor allem heute erwartet, wo soziale Medien bei der Vermarktung von Kunst eine große Rolle spielen. Und genau diese sozialen Medien ermöglichen es auch Selfpublisher*innen, ihre Kinderbücher bekannt zu machen. Während wir früher beim Veröffentlichen und Vermarkten unserer Geschichten auf das Wohlwollen eines oder mehrerer Verlagsentscheider*innen angewiesen waren, können wir heute selbst dafür sorgen, dass unsere Bücher gesehen und gekauft werden.

Im Bereich der Erwachsenenliteratur stehen Selfpublisher*innen heute regelmäßig auf den Bestseller-Listen. Das Kinderbuch hat in dieser Hinsicht noch einen Weg vor sich. Aber die Werbemaßnahmen unabhängiger Kinderbuchautor*innen tragen bereits jetzt Früchte …

4. Kinderbuch im Selfpublishing oder Verlag: Das bessere Renommé

Ob du dein Kinderbuch im Verlag oder selbst veröffentlichen möchtest, hat vielleicht auch ein wenig mit der Prestige-Frage zu tun. Was kommt besser an? Was wirkt hochwertiger? Was gewinnt die Preise?

Nun, es liegt auf der Hand: Ein bekannter Verlag ist das erste Qualitätssiegel für ein Kinderbuch. Menschen, die auf der Suche nach guter Kinderliteratur in den Buchladen kommen, schauen oft sogar gezielt nach Verlagen, die sie kennen und mögen. ABER: Auch diese Sichtweise verändert sich langsam, aber stetig. Es gibt heute zahlreiche kleine Verlage, die als Selfpublisher begonnen haben und mittlerweile viele Autor*innen unter Vertrag und eine wachsende Fangemeinde haben. Damit zu tun haben – wie sollte es anders sein – vor allem die sozialen Netzwerke. Sie ermöglichen es, auch neuen/kleinen Verlagen und/oder Selfpublisher*innen gesehen zu werden. Mittlerweile bilden sie eine respektable Alternative zum „eingefleischten“ Kinderbuchmarkt.

Bei Kritiker*innen rasseln diese Kinderbücher doch aber nach wie vor durch – oder? Nein. Seit 2021 gibt es den Deutschen Kinderbuchpreis, der mit 100.000 € Preisgeld der höchstdotierte Preis für Kinder- und Jugendliteratur Deutschlands ist. Im Wettbewerb standen Bücher vieler renommierter Kinderbuchverlage wie „Ars Edition“ und „Annette Betz“. Gewonnen hat jedoch ein ganz anderes Buch: „Wohin gehen Freunde?“ von Cornelia Wiesner, das Buch einer Selfpublisherin.

In puncto Renommé holen selbstverlegte Kinderbücher also eindeutig auf. Voraussetzung ist natürlich eine professionelle Aufmachung und vor allem eine gute Geschichte.

5. Kinderbuch im Verlag veröffentlichen oder selbst heraubringen – was lohnt sich finanziell?

Große Verlage drucken größere Auflagen. Dadurch kannst du natürlich mehr Exemplare deines Kinderbuchs verkaufen. Aber – die Marge, also der Teil des Verkaufsumsatzes, den die Autor*innen erhalten, ist sehr gering. Normalerweise bekommst du als Verlagsautor*in zunächst ein fest vereinbartes Honorar für dein Werk. Zusätzlich wirst du prozentual am Gewinn jedes verkauften Buchs beteiligt.

Bei Selfpublishing ist das anders. Entscheidest du dich für einen Print-on-Demand-Anbieter, um dein Kinderbuch zu verlegen, bekommst du kein Anfangshonorar, aber eine viel höhere Marge. Grundsätzlich kannst du so mit weniger verkauften Exemplaren mehr Gewinn machen als in einem großen Verlag. Willst du dein Kinderbuch selbst veröffentlichen, drucken und verlegen, bekommst du natürlich 100 % des Verkaufspreises. Allerdings hast du hier auch mehr Ausgaben, weil du sowohl den Druck als auch Leistungen wie ggf. Illustrator*in und Lektor*in als auch den Versand selbst bezahlen musst.

Im E-Book-Bereich entscheiden sich übrigens immer mehr Autor*innen für Selpublishing, weil sie hier (wegen fehlender Druckkosten) einfach viel mehr verdienen können als im Publikumsverlag. Dafür ist natürlich das entsprechende Wissen rund um die Vermarktung ihrer Bücher notwendig. Im Kinderbuch-Bereich spielt das Thema „finanzieller Gewinn“ glücklicherweise meist eine untergeordnete Rolle. Wenn du kein Risiko eingehen, aber trotzdem ohne Verlag dein Kinderbuch veröffentlichen möchtest, ist Print-on-Demand sicher eine gute Wahl.

Wichtig! Als Verlagsautor*in bist du wie als Print-on-Demand-Selfpublisher*in Freiberufler*in und musst das dem Finanzamt melden. Hast du einen Eigenverlag, in dem du selbst deine Bücher vertreibst, musst du in der Regel ein Gewerbe anmelden. Steuerlich unterscheiden sich diese beiden Varianten deutlich.

6. Verlag oder Selfpublishing für dein Kinderbuch – was macht mehr Spaß?

Ob die Veröffentlichung im Verlag oder per Selfpublishing mehr Spaß macht, ist eine individuelle Sache. Es gibt Autor*innen, die froh sind, wenn sie sich voll und ganz auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können und sich nicht weiter mit dem Produktionsprozess eines Buches befassen müssen. Andere finden es gerade spannend, bei jedem Herstellungsschritt mitzuwirken.

Umgekehrt gibt es wunderbare Verlage, mit denen die Zusammenarbeit einfach Spaß macht und die ihren Autor*innen viele spannende Lesungen und Teilnahmen an Fachveranstaltungen ermöglichen. Bei anderen läuft es weniger rund …

Ein wichtiger Punkt: Grundsätzlich haben Selfpublisher*innen natürlich mehr Entscheidungsfreiheit, was den Look und die Umsetzung Ihres Werks betrifft. Verlagsautor*innen profitieren dagegen von dem Knowhow ihres Verlages. Spaß macht beides – schließlich geht es hier um Kinderbücher!

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