Kinderbuch veröffentlichen im Verlag: Die 10 wichtigsten Tipps
Kinderbuch veröffentlichen im Verlag: Die 10 wichtigsten Tipps

Kinderbuch veröffentlichen im Verlag: Die 10 wichtigsten Tipps

Ein Kinderbuch veröffentlichen kannst du auf mehreren Wegen. Der klassische führt über einen Verlag. In diesem Artikel geht es darum, wie schwer oder einfach dieser Plan umzusetzen ist und was du tun kannst, um mit dem richtigen Verlag zusammenzukommen. Denn es gibt einige „Tricks“, mit denen das Ganze einfacher wird!

Kinderbuch veröffentlichen im Verlag: Nicht immer einfach, aber möglich

Die allermeisten Autor*innen träumen davon, ihr Buch in einem großen Publikumsverlag wie Oetinger, Loewe oder Arena unterzubringen. Aber wahrscheinlich hast du es schon oft gehört: Der Weg dorthin ist lang und oft nicht ganz einfach. Trotzdem: Es ist möglich! Ich kenne viele Verlagsautor*innen, die, mit oder ohne Agentur, seit Jahren erfolgreich Kinderbücher in namhaften Verlagshäusern veröffentlichen. Und alle diese haben auch mal klein angefangen, so wie Christine Haas, die hauptberuflich Kinderbuchautorin ist. Also, lass dich nicht zu leicht entmutigen!

Du solltest dir aber eins vor Augen führen: Es gibt sehr gute Kinderbücher, die einfach keinen großen Verlag finden. Ein bekanntes Beispiel ist „Harry Potter“. Mit ihrem magischen Universum ist J. K. Rowling mehrfach gegen stählerne Türen gerannt, bis sich endlich eine geöffnet hat. Aber auch in Deutschland gibt es viele Beispiele von herausragenden Büchern, die es zunächst schwer hatten, veröffentlicht zu werden. Von einer Kollegin, die zahlreiche Literaturpreise gewonnen hat, habe ich gehört, dass ihr erstes Buch für Kinder erst nach vielen anderen Veröffentlichungen einen Abnehmer gefunden hat, weil das Thema zu „schwierig“ war.

Ob Verlage ein Kinderbuch veröffentlichen, hängt vor allem von einem Faktor ab

Was heißt das nun für dein Buch? Nun: Grundsätzlich machst du es Verlagen besonders einfach, wenn du ihnen ein Buch anbietest, das sich auch verkaufen lässt. Klingt jetzt erst einmal fies nach Kommerz und künstlerischer Einschränkung, oder? Schließlich schreiben die wenigsten Kinderbuchautor*innen ihre Bücher aus einer rein finanziellen Motivation heraus. Aber: Verlagshäuser sind Wirtschaftsunternehmen. Und was sich nicht verkauft, das nehmen sie (in der Regel) auch nicht. So gemein, so einfach. Heißt das jetzt, dass sämtliche Nischenbücher aus der Verlagslandschaft rausfallen? Natürlich nicht. Denn auch Bücher, die sich an ein kleines Publikum richten, können wirtschaftlich erfolgreich sein, wenn sie wirklich gut sind und wenig Konkurrenz haben. Das tausendste Mädchen-und-Pony-Buch wird sicher mehr Menschen ansprechen als das Buch über einen Jungen, der sich für Vogelkunde interessiert. Aber das macht nichts! Denn wenn dein Vogelkunde-Buch „funktioniert“, d. h. gut geschrieben, spannend und pädagogisch angemessen ist, kann es auch einen Verlag finden. Es wird nur ein kleines bisschen schwieriger. Vielleicht landet dein Buch also nicht unbedingt bei Carlsen. (Ausnahmen bestätigen die Regel!) Aber dafür in einem kleinen, besonderen Verlag, der deine Arbeit zu schätzen weiß – genau wie deine Leser*innen.

Kinderbuch veröffentlichen: Die wichtigsten Steps zu deinem Verlagsvertrag

Ob und wie einfach du einen Verlag für dein Kinderbuch findest, hängt nicht nur von der Qualität deines Buchs ab. Mindestens genauso wichtig: fundiertes Knowhow zum Kinderbuchmarkt und eine große Portion Glück. Es gibt aber einige Dinge, die du tun kannst, um deine Chancen für eine Verlagsveröffentlichung zu erhöhen, und zwar folgende:

1. Recherchiere im Vorfeld, ob dein Buch zum Markt passt

Vielleicht hast du eine ganz besondere, nie da gewesene Geschichte geschrieben. Das ist großartig und solltest du unbedingt so weitermachen, damit die Literaturlandschaft bunt und divers bleibt. Aber: Bei klassischen Kinderbuchverlagen hast du es damit in der Regel schwerer. Warum? Ganz einfach: Weil sie nicht wissen, wie gut sich dein Buch verkaufen wird, wenn „so was“ vorher noch nie da war. Schau deshalb schon bei der Ideenfindung genau, was es auf dem Markt gibt und welche Bücher deinem Buch ähneln. Achtung: Das heißt natürlich nicht, dass du abkupfern sollst! Aber es ist immer gut, Referenzbücher zu finden, die z. B. ein ähnliches Thema wie deine Geschichte haben. So machst du es Verlagen sofort leicht, dein Buch „einzuordnen“. Und, so unkreativ das klingt: Es erhöht deine Chancen einer Punktlandung beim Verlag.

Wichtig! Such nach Referenzbüchern im Verlag, die deinem ähneln!

2. Wähle die richtige Zielgruppe

Kinderbücher sind recht eindeutig in Zielgruppen unterteilt. Welche das sind, erfährst du in diesem Blogpost. Wenn du für dein Kinderbuch einen Verlag finden willst, ist es also sinnvoll, dich gleich zu Anfang zu fragen: Für welche Zielgruppe schreibe ich hier eigentlich? Bücher für Kinder ab 10 funktionieren ganz anders als solche für 2-Jährige. Teilweise gibt es auch noch Genderunterschiede, wobei das gerade löblicherweise stark in Frage gestellt wird. Diese Dinge sollten dir bewusst sein, um die richtige Zielgruppe zu finden und dein Buch ggf. darauf auszurichten. So kannst du deinem Verlag sofort sagen, für wen du schreibst und hilfst auch hier wieder, dein Buch einzuordnen.

Brauchst du Hilfe beim Thema Zielgruppe?

Für mehr Insiderinfos und praktische Übungen rund um das Thema „Zielgruppe für dein Kinderbuch“ lad dir das Gratis-PDF „Leitfaden Kinderbuch schreiben: Part 1, Finde deine Idee“ herunter.

3. Kenne dein Genre

Ich bin ein großer Fan von Genre-Mixen und schreibe auch gerne „querfeldein“. Für Publikumsverlage ist das allerdings nur dann ratsam, wenn das Genre schon etabliert ist. Du könntest zum Beispiel eine Liebesgeschichte für Jugendliche mit einer Fantasy-Erzählung vereinen. Das wäre dann klassisch „Romantasy“ und gut verkäuflich. Wenn du aber ein so genanntes „Problembuch“, das sich um reale, schwierige Themen dreht, mit Sci-Fi verbinden willst, kommt das weniger gut an. Bei Büchern für Kleinere stellt sich die Genre-Frage aber oft gar nicht. Denn Bilderbücher sind Bilderbücher, egal, ob ein Leopard Jeans trägt oder ein Mädchen. Zu beachten: Genregrenzen sind fließend und es tut sich ständig eine neue Mischform auf. Es spricht also nichts dagegen, wenn du eine solche etablieren möchtest. Als Debütautor*in wird es dir ein Verlag dabei jedoch nicht einfach machen.

4. Befolge die „Regeln“ des Kinderbuchmarkts

Wenn du deine Zielgruppe und dein Genre ausgewählt hast, kannst du dich beim Schreiben ganz auf diese konzentrieren. Es gibt für jedes Alter und jedes Genre eines Kinderbuchs bestimmte „Regeln“, die du anwenden kannst, damit das Buch leichter angenommen wird. Diese Regeln sind ziemlich komplex und alle hier aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Blogposts sprengen (und könnte ich wahrscheinlich in der Vollständigkeit auch gar nicht). Es geht auch gar nicht darum, sturr nach Regelwerk zu schreiben, sondern die Regeln erst einmal zu kennen, damit du sie an geeigneter brechen kannst. Klingt widersprüchlich? Ist es aber nicht!

„So wie immer, bloß anders …“

In Hollywood verlangen Produzent*innen von ihren Autor*innen meistens „Geschichten, die so wie immer sind, aber eben anders“. Das gelingt mal mehr und mal weniger gut. Meint aber: Wenn du gewissen dramaturgischen und marktbezogenen Grundregeln folgst, wird deine Geschichte viele Leser*innen ansprechen. Wenn du es dann noch schaffst, hie und da die Regeln zu sprengen und etwas Neues, Individuelles in dein Buch zu legen, dann wirst du vermutlich noch mehr Leser*innen ansprechen. Das Geheimnis liegt darin, bestimmte funktionierende Grundmuster in dein Kinderbuch zu legen und diese dann mit deiner eigenen Note „aufzupeppen“. Das funktioniert manchmal über die Geschichte und noch öfter über den Stil.

5. Bemüh dich um einen guten und eigenen Stil

Gut und eigen … Ein bisschen viel verlangt, was? Aber mit ein wenig Übung wirst du das ganz automatisch machen. Denn auch in puncto Stil gibt es ein paar Grundregeln, die von fast jeder Kinderbuchautorin bewusst oder unbewusst angewandt werden. Für kleinere Kinder zum Beispiel eignen sich Reime super, bei Teenies kommt der Ich-Erzähler gut an und Fantasy wird fast nur im Präteritum geschrieben. Kennst du diese Regeln und nutzt sie für dein Buch, machst du es Verleger*innen leichter, die Qualität darin zu erkennen. Dasselbe gilt selbstverständlich für Rechtschreibung, Grammatik und Satzbau.

6. Lass dein Buch IMMER lektorieren

Auch wenn du die Rechtschreibolympiade in der Schule jedes Mal gewonnen hast, auch wenn du selbst Lektor*in bist, auch wenn du schon 100 Kinderbücher geschrieben hast – lass dein Buch immer von einer außenstehenden Person lektorieren. Das gilt übrigens nicht nur, wenn du dein Kinderbuch im Verlag veröffentlichen willst, sondern auch beim Selfpublishing. Gute Lektor*innen finden nicht nur Rechtschreibfehler, sondern können auch auf stilistische Ungereimtheiten aufmerksam machen und prüfen, ob dein Plot funktioniert. Das alles ist enorm wichtig für die Qualität deines Buchs. Wenn dein Kinderbuch also professionell lektoriert ist, bietest du Verlagen die beste Voraussetzung, sich für dich zu entscheiden.

Wichtig! Kinderbuchverlage bieten dir als Autor*in immer eine*n Lektor*in zur Zusammenarbeit. Trotzdem solltest du deine Leseprobe schon lektorieren lassen, bevor du an den Verlag herantrittst.

7. Schreib ein gutes Exposé

Verlage brauchen ein Exposé, das sie überzeugt. Die Vorgaben sind dabei von Kinderbuchverlag zu Kinderbuchverlag verschieden. Im Groben enthält ein Exposé folgende Infos:

  • eine Zusammenfassung deiner Geschichte (1 – 2 Seiten)
  • eine Leseprobe von ca. 30 – 50 Seiten (bei Bilderbüchern alles!)
  • eine Kurzbeschreibung über dich / deine Projekte / deine Motivation zum Schreiben

Ein gutes Exposé zu schreiben, ist dabei eine Kunst für sich. Der wichtigste Tipp: Versetz dich beim Schreiben in dein Gegenüber. Die Person, die dein Exposé in der Hand hält, hat noch nie etwas von deiner Geschichte gehört. Es ist also essentiell, dass du

  • die wichtigsten Infos zu Figuren, Setting, Plot einbaust
  • nachvollziehbar und elegant durch die Handlung führst
  • neugierig machst

Es geht nicht so sehr um Vollständigkeit, als vielmehr darum, die Begeisterung deine*r Leser*in zu wecken. Natürlich solltest du trotzdem darauf achten, dass keine wichtigen Fragen offenbleiben. Es wird zum Beispiel erwartet, dass du die Auflösung der Geschichte im Exposé, anders als im Klappentext, auf jeden Fall preisgibst. Achte bei deinem Exposé auch auf eine übersichtliche und ansprechende Gestaltung, damit Verleger*innen es gerne lesen.

Wichtig! Jeder Verlag hat andere Exposé-Vorgaben. Diese findest du auf der jeweiligen Homepage oder kannst du telefonisch erfragen. Wenn du die Vorgaben einhältst, signalisierst du nicht nur, dass du in der Lage dazu bist, diese zu erfüllen, sondern auch, dass du dich wirklich mit dem Verlag beschäftigt hast.

8. Konzentrier dich auf Kinderbuchverlage, zu denen dein Buch passt

Es gibt Kinderbuchverlage, die nur Bilderbücher herausbringen. Andere wiederum veröffentlichen vor allem Realliteratur. Wieder andere machen multilinguale Bücher etc. Wenn du in einem Verlag dein Kinderbuch veröffentlichen willst, ist es enorm wichtig, dessen Programm auch zu kennen. Passt dein Buch wirklich zu den anderen Büchern, die es hier gibt? Kannst du dich in deinem Anschreiben auf ähnliche Bücher im Verlag beziehen? Sind Zielgruppe und Genre des Verlags auch deine? Wenn das alles der Fall ist, trau dich und schreib den Verlag an. Wenn nicht, such lieber weiter.

9. Wende dich an eine professionelle Kinderbuch-Agentur

Der Weg über eine Agentur ist heute völlig normal für Autor*innen, die Kinderbücher in einem Verlag veröffentlichen möchten. Literaturagenturen vermitteln Autor*innen an Verlage und nehmen dafür eine kleine Provision. Das heißt: Wenn ein Buchvertrag mit einem Verlag über deine Agentur zustandekommt, musst du 10 – 15 % an die Agentur abgeben. Dafür hast du allerdings nicht nur viel bessere Chancen, überhaupt einen Verlag zu finden. Du musst auch keine Verträge selbst aushandeln und kannst dich völlig aufs Schreiben konzentrieren.

Du willst wissen, wie du ein hochwertiges Exposé schreibst, das es Verlagen einfach macht?

Dann ist der Wochenend-Workshop „Kinderbuch-Werkstatt“ das Richtige für dich! Hier geht es um die wichtigsten Grundlagen des Kinderbuch-Schreibens und -Veröffentlichens inklusive der Frage: Wie sieht mein perfektes Exposé aus?

Wichtig! Eine seriöse Literaturagentur will erst Geld von dir, wenn dein Kinderbuch unter Vertrag mit einem Verlag steht. Mehr als 20 % Provision sollten es dabei nicht sein.

10. Wer ein Kinderbuch veröffentlichen möchte, besucht Buchmessen

Live kommt man mit Menschen immer noch am besten ins Gespräch. Buchmessen wie die Frankfurter oder Leipziger Buchmesse können dir dabei helfen, einen Verlag für dein Kinderbuch zu finden. Sinnvoll ist es, eine Visitenkarte und ggf. Leseprobe dabei zu haben. Vorab: Es wird auf einer Buchmesse kein Vertrag zustandekommen. Aber du kannst wertvolle Kontakte knüpfen, die dich deinem Ziel ein Stück näher bringen.

Kinderbuch veröffentlichen ohne Verlag: eine spannende Alternative

Manche Bücher sind ganz wundervoll, aber haben es trotzdem schwer, einen Verlag zu finden. Und manche Autor*innen entscheiden sich ganz bewusst dafür, ihr Kinderbuch nicht in einem Verlag zu veröffentlichen, sondern die Veröffentlichung selbst in die Hand zu nehmen. Selfpublishing bietet heute auch für Kinderbücher vielseitige Möglichkeiten zur Veröffentlichung und Vermarktung. Zahlreiche im Selfpublishing veröffentlichte Kinderbücher sind heute qualitativ überhaupt nicht von Verlagsbüchern zu unterscheiden und verbuchen ähnliche Erfolge. Zudem eröffnet Selfpublishing viele Vorteile gegenüber der klassischen Verlagsveröffentlichung. Welche das sind, verrate ich dir im Artikel über Kinderbücher im Selfpublishing.

Hast du eine Frage rund ums Thema „Kinderbuch veröffentlichen“? Eine Meinung zum Thema? Oder möchtest deine Erfahrungen teilen? Dann nutz die Kommentarbox. Ich freu mich auf deinen Beitrag!

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